Der Weinberg und das Stadtklima
Wer in Köln in Zoonähe auf die Stadtautobahn auffährt, nimmt selten mehr wahr als das Gebäude, in welchem sich Kölns größtes Weindepot befindet. Wer das Gebäude bei innerstädtischen Außentemperaturen von jenseits 30 Grad Celsius betritt empfindet eine angenehme Kühle. Eine Klimaanlage sucht man allerdings vergeblich. Der Chef, Herr Josef Wittling, lächelte verschmitzt als er mein Verhalten bemerkte und sagte nur :“Das Dach, mein Weinberg.“ Leicht irritiert schaute ich nach oben. Da waren immer noch keine Klimakanäle. Dann stiegen wir die Treppe hoch. Vorbei an dem Weinmuseum ging es weiter hoch und als die Tür sich öffnete, war er da: der Weinberg. Eine vollständig begrünte Rebanlage auf dem Dach des Weindepots, die schon 2003 gepflanzt wurde. 720 Rebstöcke, aus über vierzig verschieden Rebsorten zieren diese Rebanlage. Ein vollkommen unstädtischer Geruch eines Weinberges mit dem Geruch unterschiedlichsten Wiesenblumen verbunden lag in der Luft. Eine Stätte der Ruhe und des Innehaltens.

Hatte ich doch vor über 20 Jahren an einer der ersten Klimaanlagen in Stockholm mitgewirkt, die immer noch ohne Kältemaschine nach dem Prinzip der Verdunstungskühlung arbeitet. Hier hatte ich Sie wieder – nur ohne Technik. Hier war sie wieder die Vision das gesamte Stadtklima verbessern zu wollen. Grüne Dächer beeinflussen nicht nur die darunter liegenden Gebäude , sondern könnten auf einfachste Weise das Stadtklima verbessern. Eine Aufheizung der Städte könnte man durch die Begrünung von Dachflächen in den Sommermonaten drastisch senken. Unsere Grünflächen wurden aber weitgehend mit Beton und Asphalt versiegelt. Somit kann Regenwasser schon lange nicht mehr durch Verdunstung zur Abkühlung beitragen, weil es direkt in der Kanalisation verschwindet. Auch die früher zahlreich in Betrieb befindlichen Brunnen sind durch die klamme Stadt Köln zum Erliegen gekommen.
Namhafte Architekten lieben in aller Regel Gebäude mit chicen Glasfassaden. Sie schimpfen sich neuerdings Green Buildings, die zwar das Gebäude im Inneren kühl halten, die dafür verantwortlichen, immer noch erheblich stromverbrauchenden Klimaanlagen, wenn auch mit innovativer Technik, verstärken den sogenannten Hitzeinsel-Effekt, da die Wärme über Dach entweicht.
Dachbegrünungen wandeln einen Großteil der Sonnenstrahlung in die Verdunstung des Wassers um. Damit reduzieren sich die Temperaturen begrünte Dächer gegenüber bitumierten Dächern an heißen Tagen um mehr als 30 Grad Celsius.
So geriet ich zwischen all den Rebstöcken ins Träumen vom Saarsteiner Kupp oder Winkeler Hasensprung und war schon fast geneigt die blühenden Margeritten zu pflücken.
Und im Winter? Allein die 75 cm starke Isolierschicht dieses Weinberges reduziert in ganz erheblichem Maße die Dimensionierung der Heizungsanlage.
Tief beeindruckt verließ ich Weinberg und Depot und bin nun auf der Suche nach Dächern, die man wenigstens begrünen könnte, wenn sie das dann belastungsmäßig hergeben.



